Strompreise Großbritannien und zentralosteuropäische Märkte


Auch im britischen Stromgroßhandel waren die Notierungen rückläufig. Der durchschnittliche Spotpreis betrug im Berichtszeitraum 38 £ (43 €) je MWh Grundlast und 46 £ (52 €) je MWh Spitzenlaststrom. Er hat sich damit um 48 bzw. 49 % verringert. Am britischen Strom-Terminmarkt zeigte die Preiskurve ebenfalls nach unten. Lieferverträge für das Kalenderjahr 2010 wurden in den ersten drei Quartalen 2009 mit durchschnittlich 46 £ (52 €) je MWh Grundlaststrom abgerechnet. Das sind 35 % weniger, als im Vorjahreszeitraum für den Forward 2009 bezahlt werden musste. In der Spitzenlast sank das Preisniveau um 33 % auf 56 £ (63 €).

Spotpreise am Strom-Großhandelsmarkt in Großbritannien £ je MWh

Spotpreise am Strom-Großhandelsmarkt in Großbritannien (Liniendiagramm)

Ein-Jahres-Terminpreise am Strom-Großhandelsmarkt in Großbritannien £ je MWh

Ein-Jahres-Terminpreise am Strom-Großhandelsmarkt in Großbritannien (Liniendiagramm)

RWE verkauft die Stromproduktion der britischen Kraftwerke – ähnlich wie in Deutschland – weitgehend auf Termin. Für die Ertragslage von RWE npower besitzt die absolute Höhe der Notierungen allerdings nur begrenzte Aussagekraft. Denn unser britisches Erzeugungsportfolio besteht überwiegend aus Steinkohle- und Gaskraftwerken, bei denen auch die Kostenseite starken Marktschwankungen unterliegt. Maßgeblich für die Ergebnisentwicklung von RWE npower sind daher die sogenannten Clean Dark Spreads (Steinkohle) und Clean Spark Spreads (Gas). Sie werden ermittelt, indem man vom Strommarktpreis die Kosten für den jeweiligen Brennstoff und für CO2-Zertifikate abzieht. Britische Versorger, die ihre Stromproduktion für 2009 in den beiden Vorjahren auf Termin verkauften, erzielten im Durchschnitt niedrigere Clean Dark und Clean Spark Spreads als bei entsprechenden Terminverkäufen ihrer 2008er-Produktion. Auch bei kurzfristigen Spotmarkttransaktionen haben sich die realisierbaren Margen von Steinkohle- und Gaskraftwerken verschlechtert. Dies ergibt sich zum einen aus dem konjunkturbedingten Rückgang der Stromnachfrage, der besonders Mittel- und Spitzenlastkraftwerke traf. Zum anderen waren die britischen Kernkraftwerke – nach mehreren Stillständen im Vorjahr – wieder verstärkt am Netz. Ihre Mehrproduktion ging im Wesentlichen zu Lasten der Stromerzeugung aus Gas und Steinkohle.

Im britischen Endkundengeschäft haben die meisten Versorger seit Jahresbeginn ihre Tarife gesenkt. Das Strompreisniveau ist aber noch von deutlichen Anhebungen aus dem Vorjahr geprägt. Diese waren nötig, weil sich die Vertriebsgesellschaften zumeist frühzeitig mit Strom eingedeckt hatten. Die Endkundenpreise lagen daher in den ersten drei Quartalen noch über dem Niveau des Vergleichszeitraums 2008, für Haushalte und kleine Gewerbebetriebe um 7 %, für Industrie- und Geschäftskunden um 26 %.

Angezogen haben die Endkundenpreise auch in den meisten zentralosteuropäischen Strommärkten. Industriekunden in Polen und der Slowakei mussten 32 bzw. 20 % mehr bezahlen. In Ungarn ist das Preisniveau für diese Kundengruppe geringfügig gesunken. Für Privathaushalte hat sich die Stromrechnung in allen genannten Märkten erhöht, in Polen um 16 %, in Ungarn um 7 % und in der Slowakei um 3 %.