Entwicklung der Chancen und Risiken


Das vorausschauende Management von Risiken und Chancen ist ein Kernelement unserer Geschäftstätigkeit. Im RWE-Konzern sorgt ein unternehmensübergreifendes Risikomanagementsystem dafür, dass Risiken frühzeitig erkannt, standardisiert erfasst, bewertet, gesteuert und überwacht werden. Gleichzeitig werden aber auch Chancen und das damit verbundene Ergebnispotenzial identifiziert.

Organisation des Risikomanagements im RWE-Konzern

Die Verantwortung für das Risikomanagementsystem des RWE-Konzerns trägt der Vorstand der RWE AG. Er legt Regeln und Mindeststandards fest, die ein konzernübergreifendes Risikomanagement gewährleisten. Details zu Organisation und Prozessen des Risikomanagements sowie den damit betrauten Gremien finden sich im Geschäftsbericht 2008.

Gesamtbeurteilung der Risiko- und Chancensituation durch die Unternehmensleitung

Neben den energiepolitischen Rahmenbedingungen stellt auch die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage für uns eine Herausforderung dar. Beides birgt erhebliche Ergebnisrisiken. Wie bereits dargestellt, hinterließ die Rezession beim Energieverbrauch deutliche Spuren. Auf der Erzeugungsseite bestehen Ergebnisrisiken für den Fall, dass die Konjunkturkrise über einen längeren Zeitraum anhält und die Commodity-Preise auf Jahre hinaus niedrig bleiben. Für 2009 und 2010 haben wir unsere Stromerzeugung großenteils bereits vor Eintreten der Baisse auf Termin verkauft. Im Geschäft mit Industrieunternehmen, Geschäftskunden und Weiterverteilern sehen unsere Lieferverträge größtenteils feste Abnahmeverpflichtungen vor. Die Zahlungsausfälle unserer Kunden bewegen sich bislang auf moderatem Niveau. Wir werden die Geschäfts- und Bonitätsentwicklung unserer Vertragspartner weiterhin zeitnah verfolgen. Insgesamt sind derzeit keine Risiken erkennbar, die den Fortbestand der RWE AG oder des RWE-Konzerns gefährden könnten.

Wichtige Risiken- und Chancenkategorien

Nachfolgend werden wesentliche Risiken und Chancen erläutert, die erhebliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie die Liquiditätsposition des RWE-Konzerns haben können. Für ausführlichere Informationen verweisen wir erneut auf den Geschäftsbericht.

  • Risiken und Chancen aus Commodity-Preisschwankungen: Die Preisentwicklung an den Commodity-Märkten hat zentrale Bedeutung für unsere Ertragslage, insbesondere in der Stromerzeugung. Beispielsweise könnten fallende Stromnotierungen oder steigende Brennstoffkosten zu rückläufigen Deckungsbeiträgen führen. Allerdings ergeben sich bei gegenläufigen Preisentwicklungen auch Chancen. Die Commodity-Risiken der Erzeugungs- und Vertriebsgesellschaften werden über Absicherungsvorgaben gesteuert, die die RWE AG festgelegt hat. Im Erzeugungsgeschäft begrenzen wir die Risiken auch dadurch, dass wir unseren Strom größtenteils frühzeitig über Terminkontrakte absetzen und die für die Erzeugung benötigten Brennstoffe und Emissionszertifikate preislich absichern. Dabei nimmt RWE Supply & Trading eine zentrale Rolle ein. Das Unternehmen ist die Schnittstelle des RWE-Konzerns zu den weltweiten Großhandelsmärkten für Energie und Energierohstoffe und dient als interner Transaktionspartner für die Absicherung von Commodity-Risiken. Die Handelsaktivitäten sind jedoch nicht ausschließlich auf die Begrenzung von Risiken ausgerichtet. In einem durch Limite beschränkten Umfang betreibt RWE Supply & Trading Eigenhandel, der darauf abzielt, Preisänderungen auf den Energiemärkten gezielt zu nutzen.

    Das integrierte Handels- und Risikomanagementsystem im Energiehandel des RWE-Konzerns ist eng an die für Handelsgeschäfte geltenden Best-Practice-Regelungen angelehnt. In unseren Erzeugungs- und Vertriebsgesellschaften werden die Commodity-Positionen permanent überwacht und den zuständigen Gremien, u.a. dem Risikokomitee der RWE AG, mitgeteilt. Darüber hinaus informiert sich der Vorstand der RWE AG quartalsweise über unsere konsolidierten Risikopositionen im Commodity-Bereich. Die Risiko-Obergrenzen im Energiehandel werden vom Vorstand der RWE AG festgelegt und kontinuierlich überwacht. Um das Preisrisiko zu messen, ermitteln wir u.a. den Value at Risk (VaR). Die zentrale Steuerungsgröße ist der Global VaR, der sich auf das Handelsgeschäft der RWE Supply & Trading bezieht und maximal 40 Mio. € betragen darf. Den VaR-Werten im RWE-Konzern liegt ein Konfidenzniveau von 95 % zugrunde. Dabei wird für die Positionen eine Haltedauer von einem Tag unterstellt. Das bedeutet, dass der Tagesverlust die Höhe des Global VaR mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % nicht überschreitet. Der Global VaR der RWE Supply & Trading lag in den ersten neun Monaten 2009 bei durchschnittlich 15 Mio. €, der maximale Tageswert bei 21 Mio. €. Unsere Risikoanalyse stützt sich jedoch nicht nur auf die Höhe des VaR. Wir beziehen auch Extremszenarien in die Betrachtung mit ein („Stress Tests“), ermitteln, welchen Einfluss sie auf Liquidität und Ertragslage haben können, und ergreifen gegebenenfalls entsprechende Steuerungsmaßnahmen.

  • Finanzwirtschaftliche Risiken: Schwankungen von Währungs-, Zins- und Aktienkursen können unser Ergebnis ebenfalls stark beeinflussen. Wegen unserer internationalen Präsenz kommt dem Management von Wechselkursveränderungen große Bedeutung zu. Die Konzerngesellschaften sind verpflichtet, sämtliche Währungsrisiken über die RWE AG abzusichern. Diese ermittelt die Nettofinanzposition je Währung und sichert sie – wenn nötig – mithilfe externer Marktpartner ab. Der durchschnittliche VaR für die Fremdwährungsposition der RWE AG lag im Berichtszeitraum unter 1 Mio. €.

    Große Bedeutung messen wir auch dem Zinsmanagement bei. Zinsrisiken bestehen hauptsächlich wegen unserer zinstragenden Anlagen und Finanzschulden. Gegen negative Wertveränderungen aus unerwarteten Zinsbewegungen sichern wir uns durch originäre und derivative Finanzgeschäfte ab. Der VaR für das Zinsrisiko aus unseren Finanzschulden und den dazugehörigen Absicherungsgeschäften belief sich im Berichtszeitraum auf durchschnittlich 173 Mio. €. Der VaR aus zinstragenden Anlagen unter Einschluss der Absicherungen betrug 25 Mio. €, der für das Aktienkursrisiko 23 Mio. €.

    Die Risiken und Chancen aus den Wertveränderungen der Wertpapiere steuern wir durch professionelles Fondsmanagement. Finanzgeschäfte des Konzerns werden mit einer zentralen Risikomanagement-Software erfasst und von der RWE AG überwacht. Dies ermöglicht einen Risikoausgleich über die Einzelgesellschaften hinweg. Für unsere Konzernunternehmen haben wir Handlungsrahmen, Verantwortlichkeiten und Kontrollen in internen Richtlinien verbindlich festgelegt.

  • Bonität von Geschäftspartnern: Aus unseren Geschäftsbeziehungen mit Finanzinstituten, Handelspartnern, Kunden und Lieferanten ergeben sich Kreditrisiken. Unser Risikomanagement zielt darauf ab, diese in einem angemessenen Rahmen zu halten. Dabei berücksichtigen wir, dass die aktuelle Finanzkrise zu einem deutlichen Anstieg der Ausfallraten bei unseren Geschäftspartnern führen könnte. Wir begrenzen unsere Kreditrisiken, indem wir Limite festlegen und diese – insbesondere bei Änderung der Bonität – zeitnah anpassen. Gegebenenfalls lassen wir uns Barsicherheiten stellen oder Bankgarantien geben. Sofern wirtschaftlich sinnvoll, schließen wir auch Kreditversicherungen ab. Im Finanz- und im Energiehandelsbereich unterhalten wir vorwiegend Kreditbeziehungen zu Banken und Handelspartnern mit hoher Bonität. Diese wird mit einem internen Bewertungsverfahren ermittelt, das vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise um einen Frühwarnindikator ergänzt wurde. Handelsgeschäfte schließen wir grundsätzlich auf Basis von Rahmenverträgen ab, wie sie u.a. von der European Federation of Energy Traders (EFET) veröffentlicht werden. Die Kreditrisiken im Energiehandel und im Finanzbereich messen wir täglich.

  • Liquiditätsrisiko: Das Liquiditätsrisiko liegt darin, dass die flüssigen Mittel möglicherweise nicht ausreichen, um die finanziellen Verpflichtungen fristgerecht zu erfüllen. Solche Verpflichtungen bestehen bei RWE insbesondere in der Ablösung fälliger Finanzverbindlichkeiten. Des Weiteren müssen wir Barsicherheiten stellen, wenn sich Handelskontrakte bei einer Bewertung mit aktuellen Marktpreisen in der Verlustzone befinden. Wir stufen unser Liquiditätsrisiko trotz der aktuellen Finanzmarktkrise als gering ein. Basis dafür ist unsere solide Finanzierung. Wir verfügen über einen starken operativen Cash Flow, erhebliche liquide Mittel, ungenutzte Kreditlinien und weiteren finanziellen Spielraum durch unser Commercial-Paper-Programm und unser Debt-Issuance-Programm (siehe Geschäftsbericht 2008). Durch vorausschauende Liquiditätsplanung stellen wir sicher, dass wir jederzeit zahlungsfähig sind.

  • Regulierung: Der ständige Wandel des politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Umfelds kann die Ertragslage des RWE-Konzerns in starkem Maße beeinflussen. Angesichts des großen Anteils von Braun- und Steinkohlekraftwerken an unserem Stromerzeugungsportfolio sind wir erheblichen Risiken aus dem EU-weiten CO2-Emissionshandelssystem ausgesetzt. Diese können sich insbesondere aus erhöhten Beschaffungskosten für CO2-Zertifikate ergeben. In der dritten Emissionshandelsperiode von 2013 bis 2020 werden Stromversorger in Deutschland und Großbritannien kaum noch kostenfreie Zertifikatezuteilungen erhalten. Wir streben an, unsere Emissionen deutlich zu senken und das Stromerzeugungsportfolio – vor allem mit den anstehenden Kraftwerksinvestitionen – flexibler auszurichten. Darüber hinaus begrenzen wir CO2-Risiken durch Klimaschutzprojekte im Rahmen der Kyoto-Mechanismen „Clean Development Mechanism“ und „Joint Implementation“.

    Ergebnisrisiken für unsere deutschen Strom- und Gasnetzgesellschaften ergeben sich in erster Linie im Zusammenhang mit der seit 2009 geltenden Anreizregulierung. Hier sind einige Detailfragen noch ungeklärt, die für RWE von finanzieller Bedeutung sind, insbesondere zur Berücksichtigung von Verlustenergiekosten. Die Auswirkungen der Regulierung auf unsere Ertragslage können wir durch Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzverbesserung im Netzgeschäft teilweise kompensieren. Auch außerhalb Deutschlands sind unsere Netz- und Vertriebsaktivitäten regulatorischen Risiken ausgesetzt.

    Risiken können sich ferner aus der Verschärfung der kartellrechtlichen Preismissbrauchsaufsicht ergeben, die Ende 2007 in Kraft getreten ist. So besteht die Möglichkeit, dass unsere Preissetzung im Vertriebsgeschäft überprüft wird.

  • Rechtliche Verfahren: Einzelne Gesellschaften des RWE-Konzerns sind durch ihren Geschäftsbetrieb oder Unternehmenskäufe in Gerichtsprozesse und Schiedsverfahren involviert, oder es werden außergerichtlich Ansprüche gegen sie geltend gemacht. Wir erwarten hieraus jedoch keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Situation des RWE-Konzerns. Darüber hinaus sind Konzernunternehmen an verschiedenen behördlichen Verfahren direkt beteiligt oder zumindest von deren Ergebnissen betroffen.

    Aufgrund genehmigungsrechtlicher Risiken in unseren Tagebauen und Kernkraftwerken könnte es zu einer Beeinträchtigung der Rohstoff-Förderung und der Stromerzeugung kommen. Außerdem besteht die Gefahr finanzieller Einbußen, sofern Investitionsausgaben für Kraftwerksneubauten bereits anfallen, bevor sämtliche für den Bau und Betrieb erforderlichen Genehmigungen durch öffentlich-rechtliche Stellen vorliegen. Dem beugen wir durch sorgfältige Vorbereitung und Begleitung unserer Genehmigungsanträge so weit wie möglich vor. Aufgrund des umfangreichen Wachstumsprogramms und zahlreicher Ersatzinvestitionen ist die Zahl unserer Genehmigungsverfahren zurzeit besonders hoch.

    Im Endkundengeschäft sind wir in Deutschland von gerichtlichen Verfahren bezüglich der Wirksamkeit von Preismechanismen betroffen. Hieraus können Belastungen auf uns zukommen.

    Seit dem Frühjahr 2009 führt das Bundeskartellamt branchenweite Untersuchungen im Strom- und Gassektor und seit September 2009 auch im Fernwärmegeschäft durch. Aus den Prüfungen können sich Risiken ergeben.

    Derzeit laufen mehrere Spruchverfahren im Zusammenhang mit gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen. Sie wurden durch außenstehende Aktionäre angestrengt und haben den Zweck, die Angemessenheit der Umtauschverhältnisse bzw. der Höhe der angebotenen Barabfindung zu prüfen. Wir sehen hier nur geringe Risiken, denn die Umtauschverhältnisse und Barabfindungen sind von unabhängigen Gutachtern ermittelt worden. Sollten rechtskräftige Gerichtsentscheidungen dennoch von diesen Ergebnissen abweichen, erfolgt ein Ausgleich durch bare Zuzahlung an alle betroffenen Aktionäre, auch wenn sie nicht am Spruchverfahren selbst beteiligt waren.