Ausblick 2009


Konjunkturprognose für 2009: Wirtschaft im Euro-Raum schrumpft um 4%

Unsere Prognosen deuten darauf hin, dass sich die Weltwirtschaftsleistung in diesem Jahr um mehr als 2 % verringern könnte. Im Euro-Raum bleibt die Lage das gesamte Jahr hindurch schwierig: Wir schätzen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um etwa 4 % zurückgeht. Für Deutschland kann ein Minus von bis zu 5 % nicht ausgeschlossen werden. Wie im Euro-Raum insgesamt werden sich hier die Investitionen in Ausrüstungen um zweistellige Prozentsätze verringern. Der Außenhandel – traditionell Motor der deutschen Wirtschaft – ist ähnlich stark betroffen. Nach Schätzungen fallen die Ausfuhren real um mehr als 15 % hinter das Vorjahresniveau zurück. Im vierten Quartal 2009 dürfte die deutsche Wirtschaft ihren zur Jahresmitte begonnenen Wachstumskurs fortsetzen. Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Erreichen einer realen Wirtschaftsleistung auf dem Niveau vor der Krise noch Jahre dauern kann. In Großbritannien wird das BIP um geschätzte 5 % schrumpfen. Das Land ist in besonderem Maße von der Krise der Finanzmärkte betroffen und hat weiterhin mit der Schwäche des Immobiliensektors zu kämpfen. Während die britische Wirtschaftsleistung im dritten Quartal offenbar noch rückläufig war, lassen Indikatoren auf eine konjunkturelle Erholung zum Jahresende schließen. In Zentralosteuropa zeigt sich ein uneinheitliches Konjunkturbild. Für Tschechien wird aufgrund der starken außenwirtschaftlichen Verflechtung eine Verringerung des BIP um knapp 4 % erwartet. In Ungarn könnte die Wirtschaftsleistung sogar um mehr als 6 % schrumpfen, da hier zur Exportabhängigkeit eine Schwäche des privaten Konsums hinzutritt. Auch für die Slowakei wird ein deutlicher Rückgang vorausgesagt. Dagegen ist in Polen sogar ein leichter Zuwachs möglich. Basis dafür ist der robuste Konsum.

Deutlich niedrigeres Preisniveau auf den Brennstoffmärkten

Zwar hat sich der Preis für das Barrel Brent-Rohöl zuletzt weiter erholt und zeitweise die 80-Dollar-Marke überschritten. Im Gesamtjahresdurchschnitt wird er aber weit unter dem Vergleichswert für 2008 liegen (97 US$). Gleiches gilt auch für Erdgas, Steinkohle und CO2-Emissionsrechte. Die Notierungen am niederländischen TTF-Gasmarkt bewegen sich trotz festerer Ölpreise weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Steinkohle wurde am Rotterdamer Spotmarkt (inkl. Fracht und Versicherung) Ende Oktober mit 76 US$ pro metrische Tonne abgerechnet (Vorjahresdurchschnitt: 148 US$), Emissionsrechte für 2009 mit 15 € je Tonne CO2 (Vorjahresdurchschnitt: 22 €).

Dank frühzeitiger Terminverkäufe weiterhin gute Ertragslage in der Stromerzeugung

Die stark verringerten Commodity-Notierungen schlagen sich bei RWE Dea in rückläufigen Erlösen aus der Gas- und Ölförderung nieder. Auf unsere diesjährige Ertragslage in der Stromerzeugung haben sie aber keinen wesentlichen Einfluss. Für 2009 hat RWE Power die deutsche Stromproduktion bereits nahezu komplett am Markt platziert. Für die Folgejahre sind über 90 % (2010), über 65 % (2011) und über 30 % (2012) verkauft. Dabei wurden Großhandelspreise erzielt, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Bei diesen Terminverkäufen gehen wir grundsätzlich so vor, dass zeitgleich mit dem Abschluss eines Lieferkontrakts die zur Erzeugung benötigten Brennstoffe beschafft bzw. preislich abgesichert werden. Dies gilt auch für den Zukauf von CO2-Zertifikaten. Unsere Kosten für Gas, Steinkohle und Emissionsberechtigungen sind daher – ebenso wie unsere Stromerlöse – größtenteils noch durch das hohe Niveau der Terminpreise in Vorjahren bestimmt. Bei Braunkohle, die wir in unseren eigenen Tagebauen fördern, sind wir keinen Beschaffungspreisrisiken ausgesetzt. Den Uranbedarf unserer Kernkraftwerke haben wir über langfristige Bezugsverträge zu festen Konditionen gedeckt. Außerdem machen die Aufwendungen für die Brennstoffbeschaffung in der Kernenergie typischerweise nur einen geringen Teil der gesamten Erzeugungskosten aus.

Wir gehen davon aus, dass die Preise für Rohstoffe – und damit ebenso für Strom – auf mittlere Sicht wieder deutlich über dem aktuellen Niveau liegen werden. Auch Marktsignale deuten darauf hin. Beispielsweise zeigt die Terminpreiskurve für Rohöl derzeit steil nach oben, d.h. je weiter der Lieferzeitraum in der Zukunft liegt, desto höher ist das Preisniveau. Dies trifft auch für Strom zu: Ende Oktober notierte der Grundlast-Forward für 2010 mit 49 € je MWh. Der gleiche Kontrakt für die Folgejahre wurde mit 55 € (2011), 58 € (2012) und 62 € (2013) gehandelt.

Jahresabschluss 2009 orientiert sich an neuer Konzernstruktur

Die im Bericht zum ersten Quartal 2009 vorgestellte neue Konzernstruktur ist inzwischen weitgehend umgesetzt. Wir steuern unsere Aktivitäten fortan stärker nach nationalen Märkten. Das deutsche Vertriebs- und Netzgeschäft wurde gestrafft. Aus den beiden Regionalgesellschaften RWE Rhein-Ruhr und RWE Westfalen-Weser-Ems haben wir eine Vertriebsgesellschaft (RWE Vertrieb AG) und eine Verteilnetzgesellschaft (RWE Rheinland Westfalen Netz AG) gebildet. Die Zwischenholding RWE Energy wurde aufgelöst. In der zum 30. September erstkonsolidierten Essent führen wir unser gesamtes Geschäft in den Niederlanden und Belgien zusammen. Die Reorganisation führt zu der unten abgebildeten Berichtsstruktur, die wir bereits im Jahresabschluss 2009 zugrunde legen werden. Um die Vergleichbarkeit mit den Vorjahreszahlen zu gewährleisten, werden wir diese anpassen. Unsere Prognose für das Gesamtjahr 2009 orientiert sich aber noch an der alten Segmentstruktur.

Ausblick

in Mio. €

2008

aktualisierte Prognose 2009 vs. 2008
ohne Essent

Effekt durch Essent

1

Angepasster Wert; siehe Erläuterung Anmerkungen zur Berichtsweise

Außenumsatz

48.950

unter Vorjahr

+ ca. 1,5 Mrd. €

EBITDA

8.7731

in der Größenordnung des Vorjahres

+ ca. 150 Mio. €

Betriebliches Ergebnis

6.826

in der Größenordnung des Vorjahres

+ ca. 100 Mio. €

RWE Power

3.142

über Vorjahr

RWE Innogy

55

unter Vorjahr

RWE Dea

494

deutlich unter Vorjahr

RWE Supply & Trading

4861

deutlich über Vorjahr

RWE Energy

2.2861

auf Vorjahreshöhe

RWE npower

534

deutlich unter Vorjahr

Nachhaltiges Nettoergebnis

3.367

in der Größenordnung des Vorjahres

leicht positiver Effekt

Umsatz operativ rückläufig

Der Außenumsatz des RWE-Konzerns 2009 wird - ohne Essent - voraussichtlich unter Vorjahr liegen. Wir veranschlagen die Erlöse des niederländischen Energieversorgers im vierten Quartal auf ca. 1,5 Mrd. €. Umsatzmindernd wirkt, dass RWE Supply & Trading weniger konzerneigene Stromproduktion am Großhandelsmarkt verkauft als 2008. Außerdem erwarten wir konjunktur- und wettbewerbsbedingte Einbußen im Gasgeschäft mit Endkunden und Weiterverteilern. Dem stehen Mehrerlöse im deutschen Stromvertrieb gegenüber. Basis dafür sind Preisanpassungen infolge gestiegener Beschaffungskosten und ein höherer Absatz.

Bisherige Ergebnisprognose bestätigt

Die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise betreffen unser operatives Geschäft im laufenden Jahr nur in vergleichsweise geringem Maße. Das Ergebnis des RWE-Konzerns wird weiter auf hohem Niveau liegen. Allerdings erwarten wir in der Stromerzeugung erhebliche Zusatzbelastungen gegenüber 2008. Hervorzuheben sind länger andauernde Revisionen unserer beiden Kraftwerksblöcke in Biblis und Mehraufwand bei der Brennstoffbeschaffung. Dem stehen positive Effekte aus höheren realisierten Strom-Großhandelspreisen gegenüber. Im britischen Strom- und Gasgeschäft erwarten wir wegen extremen Preis- und Kostendrucks einen erheblichen Ergebnisrückgang. Wegen niedrigerer Öl- und Gaspreise wird auch der Upstream-Bereich weit unter Vorjahr abschließen. Die Ertragslage im regulierten deutschen Netzgeschäft können wir voraussichtlich durch weitere Kostensenkungen stabilisieren. Wie im Kapitel Effizienzsteigerungsprogramm erläutert, planen wir steigende Ergebnisbeiträge unseres Effizienzsteigerungsprogramms.

Wir bekräftigen unsere Ergebnisprognose vom Februar 2009. Lässt man die Erstkonsolidierung von Essent außer Betracht, werden das EBITDA und das betriebliche Ergebnis voraussichtlich in der Größenordnung der jeweiligen Vorjahreswerte (8.773 Mio. € bzw. 6.826 Mio. €) liegen. Die Einbeziehung von Essent ab 30. September 2009 bringt einen positiven Zusatzeffekt. Das Unternehmen wird voraussichtlich ein EBITDA von ca. 150 Mio. € und ein betriebliches Ergebnis von ca. 100 Mio. € erwirtschaften. Auch beim nachhaltigen Nettoergebnis gehen wir davon aus, dass es – ohne Essent – die Größenordnung des Vorjahreswertes (3.367 Mio. €) erreichen wird. Hier hat die Berücksichtigung des niederländischen Energieversorgers gegenläufige Auswirkungen: Dem operativen Ergebnis von Essent im vierten Quartal stehen die im selben Zeitraum anfallenden Kosten der Akquisitionsfinanzierung gegenüber. In Summe erwarten wir einen leicht positiven Effekt.

Ausschüttungsquote von 50 bis 60 %

Unser Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2009 wird sich nach der erhöhten Ausschüttungsquote für 2008 wieder an der üblichen Quote von 50 bis 60 % orientieren. Bemessungsgrundlage ist das um Sondereffekte bereinigte, nachhaltige Nettoergebnis.

Stark erhöhte Investitionen

Die Investitionen des RWE-Konzerns werden fast dreimal so hoch sein wie 2008. Hauptgrund ist die Akquisition von Essent. Aber auch die Ausgaben für Sachanlagen steigen deutlich: Sämtliche Unternehmensbereiche haben ihre Mittel aufgestockt. Über die Investitionsschwerpunkte haben wir im Kapitel Investitionen berichtet. Für den Konzern ohne Essent rechnen wir mit Ausgaben in der Größenordnung von 6 Mrd. €. Durch den niederländischen Versorger kommt ein Investitionsvolumen von 300 bis 400 Mio. € hinzu.

Nettoschulden wegen Essent-Akquisition weit über Vorjahresniveau

Im Jahresabschluss 2009 werden wir deutlich höhere Nettoschulden ausweisen als 2008. Neben der Essent-Akquisition tragen dazu die stark wachsenden Sachinvestitionen und die Rekorddividende vom April bei, während ein weiterhin hoher Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit und die Entkonsolidierung von American Water gegenläufig wirken. Das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA („Leverage Factor“) wird Ende 2009 voraussichtlich in der Mitte unseres Zielkorridors von 2,8 bis 3,4 liegen. Bei dieser Prognose haben wir das erwartete ganzjährige EBITDA von Essent zugrunde gelegt.

Unsere gute Reputation als Anleihe-Emittent bietet uns jederzeit Zugang zu kurz- und langfristigen Finanzierungsquellen. Für 2009 betragen die Kapitalmarktfälligkeiten nur 0,2 Mrd. €.

Deutlich erhöhter Personalstand

Unsere Beschäftigtenzahl Ende 2009 wird weit über dem Vorjahresniveau liegen. Ausschlaggebend ist auch hier die Erstkonsolidierung von Essent. Darüber hinaus führt unsere verstärkte Investitionstätigkeit zu steigendem Personalbedarf.

Forschung und Entwicklung: Budget von rund 100 Mio. € für 2009

Unsere Aktivitäten auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung wollen wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausbauen. Im laufenden Jahr steht dafür ein Budget von rund 100 Mio. € zur Verfügung. Mehr als die Hälfte davon widmen wir Projekten zur Effizienzverbesserung und Emissionsreduktion in der Stromerzeugung.