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Brief an die Aktionäre


»RWE wird auch in Zukunft einer der

dividendenstärksten Werte im DAX sein.«

Liebe Aktionäre und Freunde des Unternehmens,

vor einem Jahr haben wir in unserem Ausblick das Geschäftsjahr 2003 als „Jahr der Konsolidierung“ bezeichnet. Diesem Motto sind wir konsequent gefolgt. Nach drei Jahren der Neuausrichtung mit Restrukturierung und Akquisitionen haben wir den Schwerpunkt auf Integration, operative Performance und finanzielle Stabilität gelegt. Das war kein überraschender Kurswechsel, sondern der Beginn einer neuen Phase in der Entwicklung Ihres Unternehmens.

Unser Portfolio ist heute nicht nur stabiler als je zuvor – es ermöglicht auch kontinuierliches organisches Wachstum. Das zeigt ein Blick auf unseren ausgewogenen Mix aus Produkten und Regionen: Mit den drei großen Kerngeschäften Strom, Gas und Wasser in unseren vier Kernregionen Deutschland, Großbritannien, Zentralosteuropa und Nordamerika sind wir fokussiert, aber dennoch breit genug aufgestellt. Fast die Hälfte unseres Ergebnisses im Kerngeschäft stammt heute aus Aktivitäten außerhalb Deutschlands. Damit ist die Ertragsentwicklung deutlich weniger von unserem traditionell wichtigsten Einzelmarkt abhängig als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig haben wir uns in Wachstumsregionen wie etwa Zentralosteuropa positioniert. Die Kombination aus Stabilität und Wachstum bietet unser Portfolio auch in einer anderen Hinsicht: Jeden zweiten Euro verdienen wir heute in regulierten Märkten. Charakteristisch für diesen Sektor ist seine langfristige Berechenbarkeit. Konjunkturzyklen wirken sich in diesem Geschäft kaum aus. Dort, wo wir nicht in regulierten Märkten arbeiten, sind unsere Aktivitäten vertikal integriert. Der Vorteil: Weil wir immer auf mehreren Stufen der Wertschöpfungskette aktiv sind, können wir bei Marktveränderungen besser reagieren. Die Summe dieser strategischen Faktoren liefert die Basis für stabile und hohe Cash Flows. Wir reinvestieren sie in renditestarke Aktivitäten, um beim betrieblichen Ergebnis in den nächsten Jahren durchschnittlich um mindestens 5 % organisch zu wachsen. Und wir können Ihnen, unseren Aktionären, damit auch bei ungünstigen konjunkturellen Bedingungen eine attraktive Dividende bieten. Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was wir 2003 in puncto Konsolidierung erreicht haben:

1. Integration
Die Einbindung der Großakquisitionen in den Konzernverbund ist weitgehend abgeschlossen. Ihre Ertragsentwicklung kommt in Summe planmäßig voran. Unser tschechisches Gasgeschäft hat bereits einen positiven Wertbeitrag erzielt – drei Jahre früher als geplant.

2. Operative Performance
Unsere Zielwerte haben wir erreicht, zum Teil sogar übertroffen. Das betriebliche Ergebnis des Konzerns verbesserte sich um 23 %, im Kerngeschäft um 27 %. Hier haben wir dank der Ertragsstärke unserer Strom-, Gas- und Wasseraktivitäten auch ohne Erstkonsolidierungen um 11 % zugelegt. Damit konnten wir Belastungen bei Umweltdienstleistungen und Heidelberger Druckmaschinen ausgleichen. Beim Nettoergebnis nach Firmenwert-Abschreibungen haben wir wie angekündigt unter Vorjahr abgeschlossen. Mit einem Rückgang um 9 % lagen wir allerdings deutlich besser als unsere Prognose.

3. Finanzielle Stabilität
Die Nettoverschuldung haben wir zum Jahresende mit 17,8 Mrd. € bereits unter den Zielwert für 2005 von 20 Mrd. € gesenkt. Ausschlaggebend dafür war u.a. die erfolgreiche Veräußerung der Mehrheitsbeteiligung an unserer US-Tochter CONSOL Energy.

4. Reorganisation der Konzernstruktur
Die neue Organisation bringt uns nicht nur näher an den Kunden, sondern auch näher an unser Ziel, Synergien zwischen Strom, Gas und Wasser optimal zu nutzen. Erfahrungen aus der Präsenz in liberalisierten Energiemärkten zeigen, dass Kosteneffizienz und Orientierung am lokalen Kundenbedarf die entscheidenden Merkmale sind, um sich auch in Zukunft von Wettbewerbern zu differenzieren. Wichtig für die zügige Umsetzung der neuen Struktur war die Einigung mit den kommunalen Aktionären der RWE Gas AG. Damit konnten wir das deutsche Gasgeschäft wie geplant komplett mit den Strom- und Wasseraktivitäten zusammenführen.

2004: Fokus auf operativer Performance
Auch im laufenden Geschäftsjahr werden wir uns auf die genannten vier Schwerpunkte konzentrieren:

  • Die Integrationsprozesse stehen kurz vor dem Abschluss. Wir gehen davon aus, dass RWE Thames Water inklusive American Water im nächsten Jahr erstmals einen positiven Wertbeitrag erzielt. Das gilt auch für RWE Innogy.

  • Bei der operativen Performance steht organisches Wachstum im Mittelpunkt. Dafür haben wir angesichts erhöhter Strom-Großhandelspreise, weiterer Effizienzfortschritte und laufender Preisverhandlungen im Wassergeschäft in den USA und in Großbritannien gute Aussichten. Nach Erreichen unseres Wertbeitragsziels für 2003 streben wir für das Geschäftsjahr 2005 eine Kapitalrendite (ROCE) von 11 % an.

  • Unsere Finanzstruktur verbessern wir weiter. Dazu setzen wir uns ein neues Ziel für den Schuldenabbau: Bis zum Jahresende 2005 wollen wir die Nettoverschuldung auf unter 17 Mrd. € zurückführen.

  • Die neue Konzernorganisation setzen wir schnellstmöglich um. Die Weichen sind zwar gestellt, aber neue Strukturen müssen mit Leben gefüllt und erlernt werden. Die Effizienz verbessern wir dabei weiter. Unser um 200 Mio. € auf 500 Mio. € erneut aufgestocktes Kostenabbauziel für 2006 ist ein Beleg dafür. Im Jahr 2000 hatten wir uns Einsparungen von rund 2,6 Mrd. € vorgenommen. Dieses Ziel haben wir inzwischen um 20 % erhöht. Bezieht man außerdem die Akquisitionssynergien mit ein, wollen wir das jährliche Kostenniveau bis 2006 um rund 3,2 Mrd. € absenken.

Die Veräußerung von Heidelberger Druckmaschinen und HOCHTIEF steht weiterhin auf unserer Agenda. Die wieder gestiegene Börsenbewertung der beiden Unternehmen begünstigt diesen Prozess.

Risiken – wenn auch noch nicht für 2004 – sehen wir bei zwei politischen Themen, die den europäischen Utility-Sektor wesentlich beeinflussen werden: der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten und die Regulierung der deutschen Strom- und Gasnetze. Wir haben uns sehr deutlich für Konzepte ausgesprochen, die ökologische und ökonomische Ziele im Interesse zukünftiger Versorgungssicherheit miteinander vereinbaren. Jetzt liegt es in politischer Verantwortung, die für den Wirtschafts- und Energiestandort Deutschland langfristig richtigen Entscheidungen zu treffen.

Was hat die aktuelle Entwicklung von RWE für Sie, unsere Aktionäre, gebracht? Das Versprechen, einer der dividendenstärksten Werte im DAX zu bleiben, halten wir. Der Hauptversammlung am 15. April 2004 werden wir vorschlagen, die Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2003 um 14 % zu erhöhen. Außerdem haben wir uns für die Geschäftsjahre 2004 bis 2006 das Ziel gesetzt, die Dividende jährlich um durchschnittlich 15 % zu erhöhen. Das entspricht einer für unsere Branche attraktiven Ausschüttungsentwicklung. Auch die Kursperformance verlief wieder erfreulicher: Zum Jahresende 2003 lag die RWE-Stammaktie 27 % über dem Vorjahres-Schlusskurs und zählte in der zweiten Jahreshälfte zu den stärksten europäischen Utility-Aktien.

Sie sehen: Wir haben angesichts immer komplexer werdender Märkte klare Vorstellungen entwickelt, wie RWE noch schneller, effizienter und flexibler wird. Und wir werden mit aller Kraft daran arbeiten, dass die RWE-Aktie ein attraktives Investment bleibt. Der wichtigste Beitrag, den wir dazu leisten können, ist eine weitere Ergebnissteigerung. Wir sind zuversichtlich, dieses Ziel im laufenden Jahr erreichen zu können. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen setzen sich mit voller Energie dafür ein. Dafür möchte ich ihnen an dieser Stelle im Namen des Vorstands danken. Ihnen, unseren Aktionären und Freunden des Unternehmens, danken wir für Ihr Vertrauen.

Essen, 16. Februar 2004

Mit freundlichem Gruß

 

Harry Roels

Vorstandsvorsitzender der RWE AG


Harry Roels
 

 

 


Dr. Klaus Sturany
 

Dr. Gert Maichel
 
 

Harry Roels
 

Jan Zilius