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Die RWE-Branchenkonjunkturen: witterungsbedingt höherer Energieverbrauch

Der Stromverbrauch hat sich in Deutschland und in Großbritannien um 1,5 % erhöht

Extreme Witterungsbedingungen steigerten die Nachfrage nach Strom und Gas in unseren wichtigsten europäischen Märkten. Teilweise haben auch positive konjunkturelle Trends zum Wachstum des Energieverbrauchs beigetragen. In Deutschland erhöhte sich die Stromnachfrage um 1,5 %. Da im Sommer die Verfügbarkeit der Kraftwerke in mehreren Nachbarländern durch extreme Hitze und Trockenheit eingeschränkt war, konnte die deutsche Elektrizitätswirtschaft ihre Ausfuhren beträchtlich steigern. Die Stromerzeugung legte daher sogar um 3 % zu. Der deutsche Erdgasverbrauch lag wegen des kühlen Winters um 4 % über Vorjahr.

Auch in Großbritannien erhöhte sich der Stromverbrauch um 1,5 %. Wegen des kühlen Winterwetters stieg auch die Erdgasnachfrage an den Endverbrauchermärkten. Dagegen haben Stromerzeuger wegen des hohen Preisniveaus weniger Gas eingesetzt. Insgesamt lagen die Verbrauchsmengen 2003 etwa auf Vorjahreshöhe.

Unsere Märkte in Zentralosteuropa boten ein unterschiedliches Bild. In Polen hat die Stromnachfrage vor allem konjunkturbedingt um 5 % angezogen. Dagegen lag sie in Ungarn nur um 2 % über Vorjahr und stagnierte in der Slowakei. Strukturwandel und Modernisierung der Industrie dämpften die Zuwachsraten dieser Länder. Der Gasverbrauch war durch den kühlen Winter geprägt: In Tschechien hat er sich um 6 %, in Ungarn sogar um über 10 % erhöht.

Der schon 2002 beobachtete Preissteigerungstrend an den europäischen Strommärkten hat sich beschleunigt. Katalysator dieser Entwicklung war die Hitzewelle im Sommer: Sie beeinträchtigte die Stromerzeugung und regte Mehrnachfrage durch den verstärkten Gebrauch von Klimaanlagen an. Stromausfälle in mehreren Ländern und eine deutlich verringerte Reservekapazität in den deutschen Kraftwerken verstärkten die Angst vor Versorgungsengpässen. Diese Faktoren schlugen sich auch preissteigernd an den Terminmärkten nieder. In Deutschland haben sich Kontrakte über 2004 zu leistende Stromlieferungen im Laufe des Berichtsjahres stark verteuert. Ende 2003 waren die Preise allerdings wieder leicht rückläufig. Im Durchschnitt lagen sie 2003 im Grundlastbereich um 18 % und im Spitzenlastbereich um 26 % über den vergleichbaren Vorjahreswerten. Im Endverbrauchergeschäft sind die Strompreise um rund 8 % gestiegen.

Auch in Großbritannien haben die Preise im Großhandel zuletzt deutlich zugelegt. Der Ein-Jahres-Forward lag im Grundlastbereich um durchschnittlich 15 % über Vorjahr. Bei Spitzenlaststrom betrug der Zuwachs 24 %. Am britischen Endkundenmarkt waren die Preise noch von den niedrigen Forwardnotierungen 2002 beeinflusst, zeigten aber gegen Jahresende eine deutlich ansteigende Tendenz. Für Industriekunden lagen sie im Jahresmittel um rund 5 % unter Vorjahr, während bei Haushaltskunden ein Anstieg um 1 % zu verzeichnen war.

Der internationale Ölmarkt war durch ein extrem hohes Preisniveau geprägt. Das Barrel Brent-Rohöl kostete durchschnittlich 28,84 US$. Das sind 16 % mehr als 2002. Rechnet man die Brentpreise in Euro um, ergibt sich wegen der Schwäche des Dollars allerdings ein Rückgang gegenüber Vorjahr um 3,5 %. Zu Jahresbeginn hatten politische Krisen in einzelnen Förderregionen, vor allem im Nahen Osten, den Preis auf Spitzenwerte von über 32 US$ getrieben. Nach dem raschen Ende des Irak-Krieges fiel er zunächst unter 25 US$, legte im weiteren Jahresverlauf aber wieder deutlich zu. Die an die Ölnotierungen gekoppelten Importpreise für Erdgas folgten dieser Entwicklung mit der üblichen Verzögerung von etwa sechs Monaten. Gaslieferungen nach Deutschland verteuerten sich um rund 5 % auf durchschnittlich 12,2 €/MWh. Ähnlich entwickelten sich die Euro-Preise für Einfuhren nach Tschechien. In Großbritannien, das den Großteil der Erdgasnachfrage durch heimische Förderung abdeckt, haben sich die Spotmarktpreise um 15 % erhöht.

Der Markt für regulierte Wasser- und Abwasserdienstleistungen entwickelte sich weiterhin stabil. Konjunkturelle Faktoren wirken sich in diesem Sektor generell nur in geringem Maße aus. Durch den hohen Investitionsbedarf zur Verbesserung der Wasserqualität und der Infrastruktur ergeben sich in den RWE-Kernregionen Europa und USA dauerhafte Wachstumspotenziale. In Großbritannien werden derzeit die Rahmenbedingungen für die nächste fünfjährige Regulierungsperiode ausgehandelt, die 2005 beginnt. Dabei zeichnet sich ab, dass die Investitionsbedingungen für die Wasserversorger günstiger gestaltet werden. Im US-Geschäft drückten ungünstige Witterungseinflüsse in zahlreichen Bundesstaaten die Erträge der Wasserversorger. Im hoch fragmentierten deutschen Wassermarkt mit seinen überwiegend lokalen Wasserversorgern verläuft die Privatisierung weiterhin nur zögerlich.

Die deutsche Entsorgungsbranche hatte wegen der schwachen Konjunktur und unsicherer Rahmenbedingungen deutliche Umsatz- und Margenrückgänge im Gewerbekundengeschäft und bei kommunalen Entsorgungsleistungen zu verkraften. Hinzu kamen verringerte Geschäftsvolumina beim „Dualen System Deutschland“ (DSD). Hierzu trug vor allem die Einführung des Pflichtpfandes für Einweg-Getränkeverpackungen zum 1. Januar 2003 bei. Zusätzlich verunsichert wurde die Branche durch erhebliche Verzögerungen im Zuge der Neuausschreibung der DSD-Leistungsverträge.

In der Druckmaschinen-Industrie war 2003 ein Krisenjahr. Die Kapazitätsauslastung und damit die Investitionsbereitschaft der Druckereien blieben auf Tiefststand. Hauptbetroffen waren die Kernmärkte der Heidelberg-Gruppe, USA und Deutschland. Im zweiten Halbjahr zeichnete sich eine leichte Erholung ab.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Strom-Großhandelspreise sind in Deutschland und Großbritannien deutlich angestiegen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der hohe Bedarf an Investitionen in die Wasserinfrastruktur in Großbritannien und den USA bietet dauerhafte Wachstumspotenziale.
 
 
Der deutsche Entsorgungsmarkt ist durch deutliche Umsatzrückgänge und Margendruck geprägt.